Mir scheint als sei Google einer der immerwährenden Internet-Sündenböcke Deutschlands, knapp hinter Killerspielen. Welcher Mythos, in den Köpfen der Deutschen, um das Unternehmen Google rankt, ist mittlerweile schier unglaublich. Und weil ja jeder Andere auch daran glaubt, mit dem man sich darüber unterhält, wird es alleine dadurch wahr. Google hat sich als Manifest “Don’t be evil!” auf die Fahne geschrieben und wird trotzdem bodenlos verteufelt. In jüngster Vergangenheit reiht sich neben Google auch Facebook ein. Bei Facebook sehe ich persönlich deutlich eher einen Anlass zur Sorge, da das Geschäftsmodell und der Umgang mit personenbezogenen Daten, beider Unternehmen grundsätzlich verschieden ist.

Vielleicht steckt dahinter ein bisschen die Angst des ungewissen. Google hat sich darauf spezialisiert das Verhalten seiner Benutzer sehr genau zu analysieren und zu deuten und trifft, zum Beispiel bei Werbeeinblendungen, Entscheidungen auf dieser Grundlage. Von der Qualität dieser Entscheidungsprozesse und -ergebnisse bin ich selbst beeindruckt, andere haben davor vielleicht Angst.

Google Street View

Bis morgen noch gibt es die Möglichkeit, eine Antrag auf Verpixeln des eigenen Wohnhauses zu stellen und diesen bei Google einzureichen. Was kursieren nicht alles für absurde Vorstellungen in der deutschen Presselandschaft, was dieses Streetview eigentlich genau sein soll, wenn sie die Menschen davon zu überzeugen versuchen, dass ich 24 Stunden rund um die Uhr virtuell vor dem Haus einer jeden Person stehen kann, um zu beobachten, was diese gerade treibt. Damals bei Google Maps hat man auch schiss gehabt, dass man sich nur noch mit Tinfoilhat auf die Straße trauen kann. Wenn ich vor das Haus trete und in den Himmel winke, dann können alle Google Earth Benutzer mich just in diesem Moment winken sehen!

Google Mail

Google gibt zu, dass es den Inhalt der auf Google-Mail gespeicherten eMails in irgendeiner Art und Weise analysiert um mir basierend darauf mehr oder weniger “passende” Werbung einzublenden. Wem das nicht gefällt, der soll GMail halt nicht benutzen. Es ist ja nicht so, dass ich gezwungen werde, einen Google Mail Account zu benutzen. Das ist in vielen Dingen des Lebens so. Man hat eigentlich immer eine Entscheidung die man für sich selbst treffen muss. Aber halt, da steht Google vorne dran, also kramen wir schon mal den GROßEN Hammer raus!

Google AdSense/Analytics

Die klassische Methode für Webmaster, mit einer Internetpräsenz Geld zu verdienen, aus welchen Gründen auch immer das versucht wird, ist das Schalten von Werbung. Quasi “verkauft” man Werbeflächen auf den eigenen Internetseiten, wie man Werbeplatz an Plakatwänden oder in Schaukästen buchen kann. Google schafft es sehr gut, dem Webmaster die Entscheidung abzunehmen, welche Werbung dort geschaltet werden sollte, weil sie zum Beispiel zum Thema der Internetseite passt.
Wenn ich auf der Homepage von einem Kleintierzüchterverein Werbung für eine Datingplattform eingeblendet bekomme, dann liegt die Vermutung nahe, dass der Besucher einen Banner für einen Nagetierfuttermittelhersteller häufiger anklicken würde. Die Algorithmen hinter der Google-Werbeplattform können diese Zusammenhänge gut ermitteln.

Mehr Google

Wie heuchlerisch einige Deutsche sind, zeigt sich mir immer wieder. Mann kann manchmal den Eindruck gewinnen, dass sie Google-Produkte nie auch nur mit der Kneifzange anfassen würden. Und auf dem heimischen Desktop ist Google trotzdem auf jeden Fall als voreingestellte Internet-Suchmaschine eingerichtet. Und wenn man mal wo hin muss, dann fragt man erst Google Maps, bevor man sich ins eigene Auto setzt…

An einer solchen Stelle wünsche ich mir immer mal wieder, wenigstens einen Journalistik-Wochenendseminar belegt zu haben.

Allesblog#google#street view